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Martin Baer/Olaf Schröter
EINE KOPFJAGD Deutsche in Ostafrika - Spuren kolonialer Herrschaft 224 Seiten, 66 Abbildungen In Ostafrika, dem heutigen Tansania trieben die deutschen Kolonialherren vor rund 100 Jahren den aufständischen Häuptling Mkwawa nicht nur in den Tod, sondern trennten ihm noch den Kopf ab, um diesen als makabre Trophäe nach Deutschland zu schicken. |
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Weit über das
Ende des deutschen Kolonialreiches hinaus beschäftigte der Kopf des toten
Häuptlings europäische und afrikanische Regierungen. Vor dem Hintergrund dieser Kopfjagd erzählen Martin Baer und Olaf
Schröter die Geschichte der ehemaligen deutschen Kolonie in Ostafrika:
von der Eroberung eines „Platzes an der Sonne", über die Kämpfe
im Ersten Weltkrieg, die Kolonialnostalgie in der Weimarer Republik, die
nationalsozialistischen Weltmachtpläne bis hin zur Entwicklungspolitik
beider deutscher Staaten. Während ihrer Recherchen sind die Autoren
zugleich auf ungewöhnliche Geschichten gestoßen, die bislang kaum
bekannt sind, etwa zum größten Dampfschiff Afrikas, oder zum Ursprung
der braunen Hemden der Nationalsozialisten.
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Martin Baer
Jahrgang 1963, ging in West-Berlin zur Schule. 1982-1983 Fahrradreise durch Osteuropa und den Mittleren Osten, anschließend Touristenführer in Bangui/Zentralafrikanische Republik. 1984-1987 Filmschule in Berlin. Regiearbeiten: „Jenseits von Ägypten", 1989 (mit Jürgen Schulz); "Rudolph Marcks und das Kreuzberger Salon-Orchester", 1990; "Mit der Lizenz zum Töten" / "With a license to kill", 1991; "Tanz mit dem Tod", 1992; "Befreien Sie Afrika!", 1999. |
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Olaf Schröter
1961 in Berlin geboren. Studium der Nordamerikanistik und Germanistik an der FU Berlin, 1993 Promotion über Ernst Jünger. 1994-1996 Autor und Entwickler in einem interdisziplinären kulturhistorischen Multimediaprojekt. Seit 1996 freier Autor und Übersetzer u.a. für Ravensburger Buchverlag Otto Maier und Wilhelm Heyne Verlag. Veröffentlichungen: „Es ist am Technischen viel Illusion", Berlin 1993; „Von den Titanen zur Titanic". In: Friedrich Strack: „Titan Technik", Würzburg 2000. |
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Leseprobe Noch heute legt die "Liemba" jede Woche rund 650 Kilometer auf dem Tanganjikasee im Westen Tansanias zurück. Es ist das letzte von zahlreichen Dampfschiffen, die einst unter deutscher Flagge die großen Seen Afrikas befahren haben. |
Der "African Queen" - Dampfer |
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Die "Liemba" wurde in der
berühmten Meyer-Werft in Papenburg
an der Ems gebaut, nach der Fertigstellung jedoch gleich wieder zerlegt und 1914
in 5 000 Kisten verpackt nach Daressalam, der Hauptstadt der deutschen Kolonie
in Ostafrika, verschafft. Von dort
ging es mit der neuen Zentralbahn Richtung Tanganjikasee weiter. Den letzten Teil der Strecke mußten die Kisten des 800
Tonnen schweren Dampfers von afrikanischen Trägern über Land geschleppt
werden. In Kigoma wurde er dann
unter der Leitung von drei mitgereisten Ingenieuren in einer eigens dafür
errichteten Werft wieder Stück für Stück zusammengesetzt, um schon bald unter
dem Namen "Graf Götzen" als Flaggschiff der Deutschen aber den See zu
stampfen und die Grenze zum belgischen Kongo zu sichern. Das ganze Unternehmen kostete das Deutsche Reich rund 750 000
Mark. |
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Berühmt
wurde die "Graf Götzen" als Vorbild für das Kanonenboot
"Louisa", das Humphrey Bogart und Katharine Hepburn in
dem legendären Film "African Queen" nach dem gleichnamigen Roman
von C. S. Forester versenkten. Ihr
tatsächliches Schicksal war etwas weniger spektakulär, aber dafür um so
kurioser. Mit einem großen Geschütz und zwei weiteren kleineren
Kanonen ausgestattet, begab sich die "Götzen" am 9. Juni 1915, gerade
fertig zusammengebaut, zum ersten Mal auf die Fahrt ins südlich gelegene
Bismarcksburg und versenkte zehn Tage später einen kleineren englischen
Dampfer. In der Folge diente sie
General Paul von Lettow-Vorbeck, Kommandeur der Schutztruppen in
Deutsch-Ostafrika, zu Truppenverlegungen. Ein
Jahr später wurde die "Götzen" im Hafen von Kigoma von belgischen
Flugzeugen angegriffen und beschädigt. |
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Als
die deutschen Truppen Kigoma aufgeben mußten, versenkten sie das Schiff
heimlich an einer seichten Stelle im trüben Wasser einer Flußmündung. Man
hoffte, das Schiff nach dem Krieg wieder bergen zu können.
Doch die Tage der Deutschen in Ostafrika waren gezählt, und der Dampfer
blieb zunächst auf dem Grund liegen. Die
Belgier, die das Gebiet nach 1918 verwalteten, fanden den ehemals so stolzen
Dampfer, hoben ihn und schleppten ihn in den Hafen von Kigoma.
Hier aber sank er zum Entsetzen aller erneut. Erst den Briten, die 1922 das Mandat über die ehemalige
deutsche Kolonie übernahmen, gelang die Bergung.
Sie investierten drei Jahre Arbeit und 30000 englische Pfund, um den aus
dem Dornröschenschlaf geweckten Dampfer wieder flott zu machen.
Am 16. Mal 1927 wurde er auf den Namen "Liemba"“, getauft
und bestand seine zweite Jungfernfahrt. Der heute wohl dienstälteste Dampfer verbindet wöchentlich Kigoma im Norden und Kasanga im Süden des Tanganjikasees - eine Strecke von 650 Kilometern, auf der die alte "Graf Götzen", mit Kanonen herrschte und als "Liemba" nun in friedlicher Mission unterwegs ist. |
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Im Juni 2007 erschien eine lesenswerte
Rezension des Buchs auf www.freiburg-postkolonial.de Odyssee eines Schädels
- Die dunklen Seiten der Deutschen |